Textilkennzeichnungsverordnung versus Lebensmittellüge – oder: So eine Schweinerei

 

 Die Europäische Union weiß ich sehr zu schätzen. Mir ist absolut bewusst, dass wir hier in einem sehr privilegierten Teil der Welt leben dürfen.

Was mir aber auch bewusst ist: Der Regulierungswahn der EU. Ein konkretes Beispiel ist die Textilkennzeichnungsverordnung von 2011.

Sie besagt, dass ich u. a. nicht mehr das Wort „Merino“ in der Kennzeichnung meiner Ware benutzen darf.

In der Produktbeschreibung eines Pullovers darf ich zwar noch sagen, dass ich Merinowolle verwendet habe, aber eben nicht mehr auf dem Etikett am Kleidungsstück. Die Herren in Brüssel meinen, dass Wolle immer gleich Wolle ist. Naja, echte Wollkenner*innen sehen das etwas anders, denn Merino hat eine viel weichere Haptik als ganz normale Schurwolle. Und eine weitere Wolle, die ich sehr gern verwende, ist ja Baby-Alpaka – ebenso viel weicher als Alpaka oder Schurwolle. Alpaka darf ich drauf schreiben, Baby-Alpaka und Merino aber nicht – das erkläre mir bitte mal jemand!

Diese Textilkennzeichnungsverordnung hat nun seit Geltungsbeginn 2011 dazu geführt, dass sogenannte Interessensverbände kleinere Labels und Anbieter von Waren auf Unterlassung verklagen, wenn sie das Wort „Merino“ noch verwenden. Die Betonung liegt dabei auf kleineren Labels und Anbietern, denn H&M beispielsweise benutzt nach wie vor das Wort „Merino“ auf seinen Etiketten, zumindest noch bis 2017. Darum schert sich offensichtlich niemand.

Und es ist im Gegensatz dazu offensichtlich in der EU auch völlig okay, wenn auf Wurstwaren ein Gütesiegel prangt, das im Kleingedruckten auf der Rückseite der Packung besagt, dass man mit dem Kauf dieser Wurst den Weg zu einer tiergerechteren Haltung unterstützt, aber dass diese Wurst noch nicht aus einem der teilnehmenden Betriebe stammen müsse.

Das heißt für mich folgendes: Ich verwende Merinowolle – darf das aber nicht draufschreiben. Eine Wurstfabrik darf in Massentierhaltung Tiere quälen, aber ein Gütesiegel tragen, das mit dem artgerechten Tierwohl wirbt.

So eine Schweinerei!

Eure Sandra von elbfeeberlin

Eine Antwort auf „Textilkennzeichnungsverordnung versus Lebensmittellüge – oder: So eine Schweinerei“

  1. Sandra, dieser Artikel ist wirklich interessant! Das zeigt wirklich, dass sich da manchmal Leute um Sachen kuemmern, wovon sie keine Ahnung haben. Und sie tun das aber unter dem Kennzeichen „Regierung“!! Sogar ich weiss, dass es so viele verschiedene Arten von Wolle gibt, die sich dadurch unterscheiden laesst, dass sie unterschiedliche Namen haben!! Und da unsere Regierung immer mehr Entscheidungen fuer uns trifft, die wir eigentlich selbst vollziehen sollten, haben sie wohl auch hier Recht, wo sie entscheiden, wie die vielen verschiedenen Arten von Wolle bezeichnet werden!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.