Die Schleierfrage

Seit über 12 Jahren fertige ich Brautkleider in Maßanfertigung und nun habe ich erstmals eine Bestellung für einen Schleier.

Bisher trug keine „meiner“ Bräute einen Schleier. Meist sind die Haare sehr locker aufgesteckt und zart mit ein paar Blumen oder Haarspangen verziert.

Der Brautschleier ist aber schon für das dritte vorchristliche Jahrhundert in Mesopotamien nachgewiesen, im Christentum wird er seit dem vierten Jahhundert als Symbol der Reinheit verwendet. Doch auch das locker fallende Haar gilt seit jeher als ein ebensolches Symbol – insofern treffen Bräute, die ihr Haar mehr oder weniger offen tragen,  die gleiche Symbolik.

Ich trug auf meiner Hochzeit einen langen Schleier, den ich damals  in einem meiner Berliner Lieblings-Vintage-Läden bekommen hatte. Er war etwa knielang, aus den 1920ern, in tadellosem Zustand und hatte eine kleine Bordüre am Rand und saß über meinen – wiederum sehr locker – aufgesteckten Haaren.

Was ich gar nicht mag, sind die ganz kurzen Schleier, die nur ein wenig über den Rücken reichen, traumhaft finde ich lange Kathedralenschleier.

Dieser erste Schleier, für den ich jetzt den Auftrag bekam und den ich in enger Abstimmung mit der Braut fertige, wird ein ganz besonders schönes Exemplar. Er ist aus feinem Softtüll, verdeckt vorn das Gesicht und reicht dabei etwa bis zum Ellenbogen. Der Rand wird rundum mit einer Spitzenbordüre bestickt und der hintere Teil, der bis zum Boden reicht, wird ab der Höhe des Hinterkopfes mit Spitzenelementen bestickt sein.

Ich freue mich schon sehr auf das Ergebnis.

 

Eure Sandra von elbfeeberlin

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