Tausende Soloselbstständige, kleine und mittlere Unternehmen allein in Deutschland sind davon betroffen.
Ab dem 12. August 2026 wird die EU keine Freihandelszone mehr sein.
Ich werde künftig nicht mehr innerhalb der EU versenden, nur noch innerhalb Deutschlands, in die Schweiz, in die USA, nach Kanada und Norwegen und ansonsten außerhalb der EU.
Die Verpackungsverordnung hat das Ziel, Verpackungsmüll zu reduzieren, was natürlich ein nobles Ziel ist.
Die Ausgestaltung ist jedoch absurd.
Ich schildere hier nur einmal den Aufwand, den ich für die EU-Länder hätte, in die ich am meisten versende, also nach Frankreich, Österreich und Italien. In jedem Land muss ich mich einzeln registrieren lassen, was in Deutschland beispielsweise kostenlos ist; in Italien würde das 5,16 Euro kosten.
Und für jedes Land müsste ich dazu einen Bevollmächtigten benennen, der für mich vor Ort Meldung erstatten kann. Da haben sich mittlerweile Agenturen gebildet, die das Unternehmen anbieten, aber natürlich kostet das sehr viel. Hinzukommen noch die jährlichen Gebühren, die ich in den jeweiligen Ländern zahlen müsste: In Österreich müsste ich dann pro Jahr 150 Euro Pauschale zahlen, in Frankreich 80 Euro. Diese Pauschale gilt in Frankreich vom 1. bis zum 50.000sten Paket. In Italien liege ich wahrscheinlich bei ca. 200 Euro für etwas mehr als eine Tonne Paketsendungen (ja, in Italien wird nach Gewicht gemessen). Diese Beträge müsste ich jedes Jahr zahlen, unabhängig davon, wieviele Pakete ich pro Jahr wirklich dorthin versende. Und jedes Jahr müsste ich die genaue Zahl melden. Jedes Land eigene Piktogramme, Maße und Anforderungen für die Kennzeichnung auf den Paketen.
Strafe droht mir bereits für das bloße Anbieten auf einer Plattform wie Etsy. Schon wenn in meinem Shop nur die Möglichkeit besteht, aus einem dieser Länder heraus zu bestellen, bin ich registrierungs- und zahlungspflichtig. Plattformen wie Etsy und Amazon müssen dafür sorgen, dass ihre Händler und Produzenten alle Regeln erfüllen. Sonst drohen ihnen Strafen.
Wenn ich mich nicht an diese Regeln halte, muss ich mit empfindlichen Strafen rechnen, die sich natürlich auch von Land zu Land unterscheiden. In Frankreich liegen die Höchststrafen bei 200.000 Euro und/oder 2 Jahren Freiheitsstrafe.
Und deshalb kann ich ab sofort nur noch innerhalb Deutschlands, in die USA, die Schweiz, Kanada, Norwegen und sonst außerhalb der EU versenden.
Ob ich mein Material, wie bisher, aus dem Baltikum und Italien beziehen kann, ist bislang unklar.
Absurd.
Es gibt aktuell einen Silberstreifen am Horizont: Die Konfusion über die Deutung der Verpackungsverordnung.
Die EU-Kommission hat am 3. August ein FAQ veröffentlicht, wonach Unternehmen wie meines nicht betroffen wären, sondern nur die Produzenten von Verpackungsmaterial. Die ZSVR – die Zentralstelle Verpackungsregister Deutschland sagt hingegen: Alle Produzenten, alle Händler in der EU sind davon erfasst.
Entscheiden und klären muss das EU-Parlament. Das ist wohl im Oktober geplant…..
Eure Sandra von elbfeeberlin