Wie ich versuchte, ein Paket bei Hermes abzugeben oder: Der Mann, der nur guckte

Normalerweise bringe ich ja meine Bestellungen immer auf dem Fahrrad zur Tanke bei uns um die Ecke. Ich weiß, dass der Paketbote dort immer gegen 11 ankommt, um die Sendungen abzuholen.

Ich also zu 10 Uhr hin. „Nee, der ist heute schon durch, der müsste jetzt bei Getränke-Hoffmann in der Kaulsdorfer sein. Dort: „Nee, der ist durch, er ist jetzt im Kiosk in der Gehsener.“ Zur Gehsener: Ja, er ist da. Hurra. Gerade packt er seine Pakete ein. Ich frage, ob er meins noch mitnehmen könne. „Nein“. Dann denke ich, okay, jetzt ganz freundlich bleiben, schließlich willst du etwas von ihm. Er lässt sich schließlich breitschlagen. Ich reiche dem Kioskbesitzer mein Paket: „Nur Barzahlung“, kriege ich zu hören. Ich verweise noch darauf, dass ich in der Tankstelle immer mit der Karte zahle und bin langsam leicht gefrustet.

Die nächste Hermes-Paketstation ist 10 Fahrrad- aber 20 Autominuten entfernt, denn unterwegs gibt es eine Baustelle, die die Autos weit umfahren müssen. Jippie.  Puterrot komme ich am Getränke-Hoffmann in der Seelenbinderstraße an. Ein sehr, sehr ruhig dreinschauender Mann sagt, der Hermes-Bote sei noch nicht da gewesen. Hurra. Ich lege mein Paket auf den Tresen, hole meine EC-Karte heraus, er schaut mich lange an, da lassen mich seine Worte, „Hermes, nur Barzahlung“, zusammenzucken. Mein ratloses Aussehen bringt schließlich einen der Getränkekunden dazu, dem Mitarbeiter zu sagen, dass er doch mein Paket bar bezahlen und ich dann seine Getränke mit EC-Karte zahlen könne. Er muss 6,31 Euro bezahlen, ich 4,95 – passt also ungefähr.

Mitarbeiter schaut, dann langsam: „Nein, das geht nicht.“

Kunde: „Warum nicht?“

Mitarbeiter, schaut noch länger, dann noch langsamer: „Na, sie bezahlt doch dann immer noch nicht ihr Paket.“ (zeigt auf mich)

Kunde: „Aber ich kann ihr doch das Restgeld geben.“

Mitarbeiter, schaut noch einmal mehr, dann noch viel langsamer: „Nein, nein. Sie…“, zeigt auf den Mann, „…zahlen jetzt das Paket und Sie…“, zeigt auf mich, „…zahlen die Getränke und den Kaugummi.“

Der Mann und ich schauen uns an. Wir versuchen gerade zu verstehen, wie der langsam sprechende Mensch tickt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kann schließlich doch das Paket abgeben. Auf dem Rückweg winke ich fröhlich, aber immer noch mit rotem Kopf, dem Hermes-Boten zu. Ein paar Tage später kommt eine Nachricht meiner Kundin, deren Bestellung ich da abgegeben habe:  „Hallo Sandra, heute sind die Sachen angekommen, ich bin sehr zufrieden damit, sie gefallen mir sehr gut. Vielen Dank. Liebe Grüße ….M. „

Na, dafür hat sich doch der Einsatz gelohnt.

 

Eure Sandra von elbfeeberlin

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